Brustkrebs- Pro und Contra Mammographie-Screening
München - Jedes Jahr erkranken in Deutschland rund 47.000 Frauen an Brustkrebs. Da es keine Meldepflicht, geschweige denn ein nationales Krebsregister, gibt, gehen andere Schätzungen bereits von 50.000 Neuerkrankungen aus. Das Mammakarzinom stellt die häufigste Krebserkrankung bei Frauen dar und ist für rund 26% aller Krebsneuerkrankungen und mindestens 18% aller Krebstodesfälle verantwortlich. Die Frage ist, ob ein flächendeckendes Mammographie-Sreening allein die notwendige Früherkennung optimieren kann und welche Chancen sie den Frauen tatsächlich bietet.
Herausforderung frühzeitige Diagnose
Seit Beginn der 80er Jahre nimmt die Zahl der Brustkrebserkrankungen in den westlichen Industrienationen zu, während die Sterberate abnimmt. Diese Entwicklung wird der verbesserten Früherkennung und der Einführung von Mammographie-Screening-Programmen zugeschrieben, die in anderen Europäischen Ländern durchgeführt werden. Sie verfolgen das Ziel, mit Hilfe der Röntgenuntersuchung dem Brustkrebs in einem Stadium auf die Spur zu kommen, noch bevor klinische Symptome erkennbar werden.
Wie steht Deutschland da?
Seit dem 1. Januar 2004 ist in Deutschland das Mammographie-Screening gesetzlich geregelt, aber noch nicht flächendeckend eingeführt. Auf Einladung ihrer Krankenkasse erhalten Frauen zwischen 50 und 69 Jahren in einer dafür vorgesehenen Mammographie-Screeningeinheit eine Röntgenuntersuchung. Diese soll alle zwei Jahre wiederholt werden. Als Grundlage für eine flächendeckende Einführung des Mammographie-Screenings in Deutschland, das nach EU-Leitlinien erfolgen soll, haben sich die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und Krankenkassen auf fünf Referenzzentren an folgenden Standorten geeinigt:
· Berlin
· Bremen
· München
· Münster
· Wiesbaden
In diesen Zentren sollen Ärzte und radiologische Fachkräfte fortgebildet werden, die am Screening teilnehmen. Diese Maßnahme dient der Qualitätssicherung der Befunde und der Vertrauensbildung mit dem Ziel, mindestens 70% der Frauen zwischen 50 und 69 Jahren zu erreichen. Dieser Vorgehensweise stimmt der Berufsverband der Frauenärzte zu, warnt aber gleichzeitig davor, die Röntgen-Untersuchung zum alleinigen diagnostischen Instrument werden zu lassen und die unpersönliche Apparatemedizin zu bevorzugen.
Mammographie im Verbund mit anderen Maßnahmen
Unabhängig davon, dass bildgebende Verfahren unverzichtbar sind, um die Brustdrüse auf frühe Krebsstadien zu untersuchen, lehnt der Berufsverband der Frauenärzte ein Massen-Screening strikt ab. Dies bedeutet, die Mammographie ist zweifellos ein wichtiger Baustein im Rahmen der Krebsvorsorge, kann aber das vertrauensvolle Arzt-Patientinnen-Gespräch nicht ersetzen. Wie steht es um die Anamnese, Risikoberatung oder wichtige Informationen und Aufklärung, die Empfehlung zur Selbstuntersuchung? Nimmt z.B. eine Frau den Termin zur Mammographie in einem neuen Zentrum wahr, und geschieht das unabhängig von den Krebsvorsorgeuntersuchungen beim Frauenarzt, stellt sich die Situation folgendermaßen dar: Auf eine ärztliche Begrüßung, Fragestellung und Brustuntersuchung geschweige denn eine Anamnese wird verzichtet. Stattdessen steht ihr eine Röntgenassistentin gegenüber, der die Mammographie anvertraut wird. Eine gynäkologische Betreuung ist nicht zu erwarten und Vorbefunde gibt es nicht. Ein erklärendes Gespräch mit dem Frauenarzt oder die ergänzende Ultraschall-Untersuchung sowie das Abklären der Untersuchungsergebnisse ist in den Mammographiezentren nicht vorgesehen. Bei auffälligen Befunden wird die Frau nicht etwa zu ihrem betreuenden Gynäkologen geschickt, der ihr die Situation darstellt und das weitere Vorgehen erklärt, sondern erneut ins Zentrum bestellt, das über die weitere Vorgehensweise bzw. eine Operation entscheidet.
Wer fragt eigentlich die Frauen, wie sie sich die Betreuung vorstellen? Wer fängt sie auf, wenn sie mit der Diagnose Brustkrebs konfrontiert werden?
Zweifel und Nachteile
Es gibt neben positiven Bewertungen eines flächendeckenden Mammographie-Screenings auch eine Fülle von Daten, die keinen Vorteil hinsichtlich der Überlebenszeit von Brustkrebspatientinnen erkennen lassen. Zu diesem Resultat kommt eine im Jahre 2004 veröffentlichte Zusammenfassung (Cochrane-Review) von sieben Studien mit 500.000 Teilnehmerinnen. Als Nachteil der Screening-Mammographie gelten insbesondere falsch-positive Befunde, die bei jeder zweiten biopsierten Frau vorliegen und mit einer enormen unnötigen Belastung der Betroffenen einhergehen. Ängste vor der Strahlenbelastung beschäftigen viele Frauen, obgleich diese in keinem Verhältnis zu den Vorteilen der Mammographie stehen sollen. Schätzungen belegen, dass von 100 mammographierten Frauen zwischen 50-70 Jahren eine Patientin an einem von der Strahlenbelastung hervorgerufenen Mammakarzinom sterben wird.
Sind die Kosten gerechtfertigt?
Kritiker gegen ein generelles Brustkrebs-Screening führen die hohen Kosten der Untersuchung ins Feld. Befürworter mahnen an, dass diese ein vertretbares Niveau erreichen können, wenn die Zahl der teilnehmenden Frauen an dem Früherkennungsprogramm zunimmt. In diesem Fall wird angenommen, dass die Kosten für jedes gewonnene Lebensjahr mit den Aufwendungen der Screening-Programme für das Zervix-Karzinom oder des Cholesterin-Screenings gleichzusetzen wären.
Früherkennung für Risikopatientinnen
Bei familiärer Vorbelastung sind junge Frauen aufgefordert, rechtzeitig zur Vorsorgeuntersuchung zu gehen. Dazu erklärt der Brustkrebsexperte Dr. Michael Untch, Leitender Oberarzt der Uni-Frauenklinik Großhadern: ”Wenn z.B. die eigene Mutter mit 55 Jahren an Brustkrebs erkrankt ist, muss die Tochter auf jeden Fall spätestens mit 45 eine Mammographie machen lassen.” Er ist davon überzeugt, dass diese Röntgenuntersuchung die wichtigste Waffe im Kampf gegen den Brustkrebs sei.
Bei Trägerinnen eines erblich bedingten erhöhten Risikos sollte neben der Mammographie zur Frühdiagnose die Magnetresonanztomographie (MRT) ebenso erfolgen. Gerade bei genetischer Disposition kann die Kombination aus beiden Untersuchungsmethoden die Wirksamkeit der Früherkennung verdoppeln.
Qualitätskontrollierte Vorsorge verbessern
Um der Mammographie als geeignetes Screeningverfahren bessere Voraussetzungen zu geben, sind nur qualitätskontrollierte Früherkennungsmethoden dazu angetan, die Brustkrebssterblichkeit deutlich zu verringern. Nur auf der Grundlage randomisierter kontrollierter Screeningstudien kann eine wirksame und zukunftsorientierte Früherkennungsstrategie etabliert werden. Als Basis für die Verbesserung der Brustkrebsfrüherkennung können derzeit die im Jahre 2004 publizierten S3-Leitlinien ”Brustkrebsfrüherkennung in Deutschland” gelten. Diese bieten nicht nur den Ärzten Handlungssicherheit, sie dienen auch als Entscheidungshilfe für Frauen, die sich für eine Krebsfrüherkennung entscheiden.
Mit diesen Ausführungen möchte der Berufsverband der Frauenärzte darauf hinweisen, dass im Vergleich zu 2003 die Krebsvorsorgeuntersuchungen seit dem GKV-Gesundheitsmodernisierungs-Gesetz um bis zu 9% abgenommen haben. Der BVF lädt die Frauen dazu ein, das Angebot eigenverantwortlicher Vorsorge im Kontakt mit ihrem Frauenarzt wahrzunehmen.
Entnommen einer Pressemitteilung des Berufsverbandes der Frauenärzte